Modellvorhaben der Raumordnung (MORO)
Projets pilotes d'aménagement du territoite
Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) sind zeitlich befristete Pilot- und Forschungsprojekte der deutschen Raumordnungspolitik. Sie dienen dazu, neue Ansätze, Instrumente und Kooperationsformen der räumlichen Entwicklung unter realen Bedingungen zu erproben und wissenschaftlich zu begleiten. Ziel ist es, innovative Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen der Raumentwicklung zu entwickeln und Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Raumordnungspraxis und -politik zu gewinnen.
Die Modellvorhaben behandeln unterschiedliche Themenbereiche der Raumordnung und Regionalentwicklung, darunter insbesondere:
  • nachhaltige Siedlungs- und Flächenentwicklung
  • demografischer Wandel
  • Mobilität und Daseinsvorsorge
  • Klimaanpassung und Energiewende
  • Digitalisierung
  • grenzüberschreitende und interkommunale Zusammenarbeit
  • Stärkung strukturschwacher Regionen
     
MORO-Projekte zeichnen sich durch einen experimentellen und anwendungsorientierten Charakter aus. Sie verbinden wissenschaftliche Begleitung mit praktischer Umsetzung vor Ort und fördern die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Regionen, Kommunen, Forschungseinrichtungen und weiteren Akteuren.
Der juristische und institutionelle Rahmen ergibt sich aus dem Raumordnungsgesetz (ROG) sowie den Zuständigkeiten des Bundes im Bereich der Raumordnung. Die Modellvorhaben werden durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) initiiert und finanziert. Die fachliche Begleitung und Umsetzung erfolgt insbesondere durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).
MORO stellt dabei kein eigenes Rechtsinstrument der Raumordnung dar, sondern ein Förder- und Erprobungsinstrument der raumordnungspolitischen Praxis.
In Frankreich existiert kein vollständig identisches Pendant zu den deutschen Modellvorhaben der Raumordnung. Vergleichbare Funktionen übernehmen jedoch verschiedene staatliche und territoriale Programme zur experimentellen Raumentwicklung und territorialen Innovation.
Hierzu zählen insbesondere:
• die programmes d'expérimentation territoriale
• die démarches de planification territoriale innovante
• die projets partenariaux d'aménagement (PPA)
• sowie Programme der Agence nationale de la cohésion des territoires (ANCT)
Diese Instrumente dienen ebenfalls der Erprobung neuer Formen territorialer Entwicklung, interkommunaler Kooperation und nachhaltiger Raumplanung.
Anders als bei MORO existiert jedoch kein einheitliches nationales Programm mit vergleichbarer institutioneller Struktur und wissenschaftlicher Begleitung.
Die deutschen MORO und die französischen territorialen Experimentierprogramme verfolgen vergleichbare Ziele hinsichtlich Innovation, Pilotcharakter und Wissenstransfer in der Raumplanung. Unterschiede bestehen insbesondere in der organisatorischen Bündelung und der Rolle des Bundes beziehungsweise des Zentralstaates.
Im Raum SaarMoselle wurde das Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) des Bundes in besonderer Weise als grenzüberschreitendes Planungs- und Kooperationsinstrument umgesetzt. Im Zentrum stand ein deutsch-französisches Planspiel zur „Raumentwicklung und Raumordnung in Grenzregionen stärken“, das im Raum des Eurodistrict SaarMoselle durchgeführt wurde.
Der Eurodistrict SaarMoselle ist ein Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) und bildet den institutionellen Rahmen für die grenzüberschreitende Kooperation zwischen dem Regionalverband Saarbrücken, der Landeshauptstadt Saarbrücken sowie französischen Gebietskörperschaften im Département Moselle. Seine Funktion besteht insbesondere in der Koordination gemeinsamer Entwicklungsstrategien in den Bereichen Raumplanung, Mobilität, Wirtschaft, Umwelt und Daseinsvorsorge.
Die Projektkoordination übernahm der Regionalverband Saarbrücken in enger Zusammenarbeit mit deutschen und französischen Partnern, darunter Bundes- und Landesinstitutionen sowie Einrichtungen der Région Grand Est und der Agence nationale de la cohésion des territoires (ANCT). Ziel war es, die Entwicklung eines grenzüberschreitenden Agglomerationskonzepts für den Raum SaarMoselle zu erproben und die Abstimmung zwischen den unterschiedlichen nationalen Planungssystemen zu verbessern.
Kern des MORO war ein Planspiel, in dem reale Akteure aus Verwaltung, Raumplanung, Wirtschaft und Politik in simulierten Entscheidungssituationen zusammenarbeiteten. Dadurch sollten gemeinsame Handlungsstrategien für die integrierte Raumentwicklung im Grenzraum entwickelt und die Übertragbarkeit von Planungsinstrumenten zwischen Deutschland und Frankreich getestet werden.
Die Ergebnisse des Modellvorhabens mündeten in Handlungsempfehlungen zur stärkeren Koordination der Raumplanung, zum Aufbau einer gemeinsamen Datengrundlage sowie zur langfristigen Etablierung eines grenzüberschreitenden Agglomerationskonzepts für den Eurodistrict SaarMoselle. Auf dieser Grundlage werden die im MORO entwickelten Ansätze in Folgeprojekten wie PRISMA weitergeführt und in der regionalen Planungspraxis verstetigt.
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