Kartenprojektionen sind mathematische Verfahren zur Übertragung der gekrümmten Erdoberfläche auf eine ebene Darstellung (Karte oder digitales Koordinatensystem). Da diese Übertragung nicht verzerrungsfrei möglich ist, führen alle Projektionen zu Verzerrungen von Fläche, Form, Länge oder Richtung. Je nach Zweck der Karte werden daher unterschiedliche Projektionen verwendet.
In der
Raumplanung, Vermessung und Geoinformation dienen Kartenprojektionen dazu,
Geodaten eindeutig zu verorten und miteinander zu verknüpfen. Besonders wichtig ist dabei die Wahl eines einheitlichen Bezugssystems, um Daten vergleichbar und interoperabel zu machen.
In Deutschland und der Europäischen Union ist heute vor allem das
ETRS89 (European Terrestrial Reference System 1989) in Verbindung mit der
UTM-Projektion (Universal Transverse Mercator) maßgeblich. Dieses System ist stabil gegenüber der Kontinentalverschiebung der eurasischen Platte und wird insbesondere für amtliche Geodaten, Kataster, Raumplanung und technische Infrastruktur verwendet. Die UTM-Abbildung ist eine transversale Zylinderprojektion, die die Erde in 6-Grad-Zonen einteilt und dadurch relativ geringe Verzerrungen in Nord-Süd-Richtung ermöglicht.
WGS84 (World Geodetic System 1984) ist ein globales Referenzsystem, das vor allem im Bereich
GPS und Navigation verwendet wird. Es bildet die Grundlage für satellitengestützte Positionsbestimmung und wird häufig in Anwendungen genutzt, die weltweite Kompatibilität erfordern, jedoch weniger für hochpräzise amtliche Vermessung.
In Frankreich wird traditionell die Lambert-Konforme Kegelprojektion verwendet, insbesondere die
Lambert-93-Projektion (RGF93 / Lambert-93). Dieses System ist das
offizielle Bezugssystem für die nationale Kartographie und Geodateninfrastruktur. Es basiert auf dem geodätischen Referenzsystem RGF93, das
kompatibel mit ETRS89 ist, jedoch spezifisch für Frankreich angepasst wurde. Die Lambert-Projektion eignet sich besonders für Länder mit mittlerer Ost-West-Ausdehnung, da sie Verzerrungen in diesem Maßstab gut ausgleicht.
Der juristische und administrative Rahmen ergibt sich in Deutschland aus dem
Geodatenzugangsgesetz (GeoZG) sowie der Umsetzung der
INSPIRE-Richtlinie, die einheitliche Referenzsysteme für Geodaten in Europa vorschreibt. Ergänzend regeln die
Vermessungs- und Katastergesetze der Länder die konkrete Anwendung.
In Frankreich ist die Nutzung von
RGF93 / Lambert-93 durch staatliche Geodienste verbindlich festgelegt und wird insbesondere durch das
Institut national de l'information géographique et forestière (IGN) umgesetzt. Die Harmonisierung mit europäischen Standards erfolgt ebenfalls im Rahmen der
INSPIRE-Richtlinie.