Das
Digitalisieren von Features im Geoinformationssystem (GIS) bezeichnet den Prozess, bei dem räumliche Objekte (sogenannte „Features“ wie Gebäude, Straßen, Flurstücke, Gewässer oder Nutzungsflächen) von analogen oder bildbasierten Vorlagen in eine
digitale, georeferenzierte Datenstruktur überführt werden.
Dabei werden diese Objekte als Vektordaten (Punkte, Linien oder Polygone) erfasst und mit Sachinformationen (Attributdaten) verknüpft. Ziel ist es, reale geografische
Sachverhalte in einer standardisierten digitalen Form für Analyse, Planung und Verwaltung nutzbar zu machen.
Das Digitalisieren kann manuell (z. B. durch Nachzeichnen in GIS-Software auf Basis von Luftbildern oder Karten), halbautomatisch oder zunehmend auch automatisiert (z. B. durch Fernerkundung oder KI-gestützte Bildauswertung) erfolgen. Die Qualität der digitalisierten Features hängt dabei wesentlich von Genauigkeit der Ausgangsdaten, Maßstab, Koordinatensystem und methodischer Erfassung ab.
Der juristische und fachliche Rahmen in Deutschland ergibt sich insbesondere aus der
europäischen INSPIRE-Richtlinie 2007/2/EG, die den Aufbau einer europäischen Geodateninfrastruktur regelt. In Deutschland wurde diese durch das
Geodatenzugangsgesetz (GeoZG) sowie ergänzende Landesgesetze umgesetzt. Ergänzend spielen technische Standards und Vorgaben des
Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) sowie der Landesvermessungsverwaltungen eine zentrale Rolle.
Im Saarland ist insbesondere das
Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung (LVGL Saarland) für die Bereitstellung und Pflege amtlicher Geodaten zuständig, die als Grundlage für Digitalisierungsprozesse dienen.
In Frankreich erfolgt die Erfassung und Verwaltung digitaler Geodaten ebenfalls im Rahmen der
INSPIRE-Richtlinie, die durch nationales Recht, insbesondere das
Code de l'environnement sowie durch Regelwerke zur öffentlichen Datenverfügbarkeit umgesetzt wird. Eine zentrale Rolle spielt das
Institut national de l'information géographique et forestière (IGN), das amtliche Geodaten bereitstellt und Standards für deren Nutzung definiert. Zudem koordiniert
der Conseil national de l'information géolocalisée (CNIG) technische und organisatorische Rahmenbedingungen für GIS-Daten.
In der Praxis sind in Frankreich sogenannte
systèmes d'information géographique (SIG) weit verbreitet, die sowohl von staatlichen Stellen als auch von Regionen und Kommunen genutzt werden. In der Region Grand Est sowie im Département Moselle werden GIS-Daten insbesondere für Raumplanung, Infrastrukturentwicklung und Umweltmanagement eingesetzt und stehen in enger Verbindung mit nationalen Dateninfrastrukturen des IGN.
Ein wichtiges Beispiel für
grenzüberschreitende GIS-Anwendungen ist das
Geografische Informationssystem der Großregion (GIS-GR). Dieses wurde 2010 im Rahmen eines INTERREG-Projekts gestartet und dient der Harmonisierung und Bereitstellung vergleichbarer räumlicher Daten für die Großregion (Saarland, Rheinland-Pfalz, Luxemburg, Wallonien und Grand Est). Es stellt über ein Geoportal thematische Karten und Geodaten zur Verfügung und unterstützt die grenzüberschreitende Raumbeobachtung und Planung. Das System ist aus einem ursprünglich projektbasierten Ansatz hervorgegangen und wurde inzwischen als dauerhafte Kooperationsstruktur verstetigt.
Das Verfahren des Digitalisierens von Features ist in beiden Ländern funktional sehr ähnlich, da es durch die europäischen INSPIRE-Vorgaben weitgehend harmonisiert ist. Unterschiede ergeben sich vor allem in der institutionellen Organisation: In Deutschland ist die
Geodateninfrastruktur föderal aufgebaut, während Frankreich stärker
zentralstaatlich durch das IGN gesteuert wird.