Neugestaltung des „Musée de la Faïence" im Rahmen des Projekts „Route der Industriekultur" oder „Route du Feu"
I. Die Partnerschaft
Projektträger: Stadt Saargemünd
II. Vorstellung des Projekts
Projektbeschreibung
Kontext
Saargemünd ist seit altersher eine Stadt, die sich mit den Künsten des Feuers beschäftigt. Die Steingutherstellung hat die Stadtlandschaft und die Seele dieser Stadt seit fast zwei Jahrhunderten geprägt.
Der vorhandene kulturelle Reichtum
Zwei Museen, welche die Auszeichnung „Musée de France" tragen, zeugen von diesem reichen Kulturerbe. Das neuere der beiden eröffnete 1998: Es befindet sich in den Räumen der Steingutfabrik selbst, in der ehemaligen Wackenmühle. Es zeigt die industrielle Herstellung des Steinguts; die Ausstellung veranschaulicht die verschiedenen Phasen der Fabrikation.
Das zweite Museum ist viel älter, es wurde 1925 gegründet. Die Art der Präsentation ist seit 25 Jahren unverändert und erweist sich heute gleichzeitig als überholt und unvollständig. Dem interessierten Besucher wird nur ein geringer Teil der Sammlungen gezeigt. Das Museum besitzt ungefähr 7000 Werke, von denen nur 1100 zu sehen sind, d.h. ca. 15%. Werke, die zum Verständnis der Unternehmensgeschichte wichtig sind, bleiben im Magazin. Die Fläche für Wechselausstellungen beträgt nur 100 m², was eindeutig zu wenig ist, um Veranstaltungen von bedeutendem Umfang durchführen zu können. Die Räumlichkeiten sind nicht für alle Besucher zugänglich, denn das veraltete Treppenhaus ermöglicht keinen Zugang für Behinderte.
Neben diesen Ausstellungsstücken besitzt die Stadt in ihrer Architektur zahlreiche Zeugen der Steingutfabrikation: Ein englischer Backsteinofen aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, ein unvergleichliches Zeugnis industrieller Archäologie, befindet sich hinter dem Rathaus; das Casino der Steingutfabriken, auch „Réunion" genannt, ist ein herrliches Gebäude aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, dessen Fassade reich mit Steingutkacheln geschmückt ist: Dieser Klub der Faïenceriemitarbeiter war dazu da, damit sich leitende Angestellte und Arbeiter nach der Schicht dort treffen konnten; die Arbeitersiedlungen sind erhalten, wobei sich die besonders typischen aus dem 19. Jahrhundert in „Avenuen" aneinanderreihen. Im Haus des Direktors in der Rue Poincaré ist ein wunderschöner Wintergarten erhalten, dessen Wände mit Keramikkacheln verkleidet sind. Deren Themen stellen Landschaften, Allegorien und florale Motive dar, wie sie typisch für den Geschmack der Zeit waren. Auf dem Friedhof schließlich sind noch die Gräber der Industriekapitäne zu sehen: Das eindrucksvollste ist zweifelsohne dasjenige des Alexandre de Geiger, das von einem sehr hohen Obelisk bekrönt wird, dessen Größe die Bedeutung und Macht dieses Direktors, Senators und Freund Napoleons III., ins Gedächtnis zurückrufen soll.
Das Museum von Saargemünd sollte als ein Ort der Erläuterungen auf dieses Kulturgut in Form von Bauwerken verweisen und dabei die Zusammenhänge, die Komplementarität und den Reichtum aufzeigen. Denn diese Bauwerke weisen auf die verschiedenen Aspekte eines Phänomens hin, wobei sie für die technischen (Industrialisierung, Maschinisierung, Verbesserung der Produkte), soziologischen (Entwicklung der Gesellschaft und der Kunden der Manufaktur; Veränderungen in der Geschichte des Geschmacks; Entstehung einer zahlenmäßig großen Arbeiterklasse; die Bevormundung durch den Arbeitgeber und deren Äußerungen), künstlerischen und symbolischen Aspekte eine Analyse liefern.
Art des Projekts
Eine Umgestaltung des Museums würde ermöglichen, die Ausstellung anders zu gruppieren, die Ausstellungsfläche zu erweitern, aber auch die Räumlichkeiten für alle Besucher zugänglich zu machen.
Das Steingutmuseum in Saargemünd wird von einem Programm profitieren, das es erlaubt, eine umfangreiche Sammlung in einer neuen und attraktiven Art der Präsentation in der permanenten Ausstellung zu zeigen.
Zu den permanenten Themenbereichen, die beibehalten werden und mehr Raum finden sollen, kann man folgende nennen: die Geschichte der Manufaktur am Beispiel der Industriekapitäne; die Arbeiter, eine soziologische und ethnologische Betrachtung; die industrielle Architektur und ihre Entwicklung im Laufe des 19. Jahrhunderts; die technologische Entwicklung der Keramikprodukte: Steingut, Steinzeug, Porzellan; die Entwicklung des Geschmacks: vom Neoklassizismus zum Art Déco; die Palette der angebotenen Produkte: von Tischkultur zur Architekturkeramik.
Das Museum sollte mit einem museumspädagogischen Dienst ausgestattet werden, damit es für verschiedene Zielgruppen Workshops anbieten kann, ebenso sollte es einen Konferenzraum und eine Spezialbibliothek erhalten. Es sollte auch die Infrastrukturen und Mittel besitzen, um eine ordnungsgemäße Erhaltung der Sammlungen zu gewährleisten.
Die Flächen für Wechselausstellungen sollten geräumiger sein: Die ideale Fläche läge zwischen 300 und 400 m², die Örtlichkeiten sollten mit Trennelementen ausgestattet sein, um Räume abzutrennen, ebenso mit Vitrinen, die geeignet sind, wertvolle Ausstellungsobjekte sicher zu verwahren. Die Ausstellungen und die vom Museum angebotenen Veranstaltungen sollten es sich zur Aufgabe machen, die Reichhaltigkeit des betreffenden Themenbereichs zu kommunizieren: sie sollen Themen weiterentwickeln, welche die Fabrikation in der Manufaktur in den größeren Zusammenhang des technischen Fortschritts, der Entwicklung des Geschmacks und der Geschichte der Keramik stellen. Sie sollen Wert darauf legen, die Reichhaltigkeit der Ikonographie zu zeigen. Schließlich sollen sie die Vitalität des Materials Keramik in der zeitgenössichen Herstellung zeigen, nicht nur durch Ausstellungen und Beiträge, sondern auch die Besucher anregen, damit sie Lust bekommen, selber etwas herzustellen.
Diese Ausstattung würde ein angemessenes touristisches und kulturelles Instrument darstellen, dessen Aufgabe es wäre, die Rolle dieser industriellen Kunst in der Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts zu erklären, aber auch gleichzeitig das zeitgenössische Schaffen im Bereich der Keramik mit Hilfe von Wechselausstellungen zu zeigen. Mittelfristig wird im Museum ein „Centre International d'Art Faïencier" (nach dem Vorbild des CIAV, des Centre International d'Art Verrier de Meisenthal) eingerichtet, in dem sich Ateliers und Unternehmen ansiedeln, die diese Technik ausüben.
Zeitplan für die Durchführung: 2008 - 2013
III. Projektziele und Interesse für die Agglomeration
Die Umgestaltung dieses Museums, das über die Steingutfabrikation in Saargemünd berichtet, ließe sich gut in den Aufbau eines bedeutenden touristischen und kulturellen Angebots zum Thema Industriemuseen einpassen, eine Route der Industriekultur mit einem Schwerpunkt auf dem Thema Kohle und Industrien an der Saar, wobei es den Punkt Künste des Feuers repräsentieren könnte.
Der Abbau der Steinkohlevorkommen in Lothringen und im Saarland hatte in dieser Region im 19. und 20. Jahrhundert eine starke industrielle Entwicklung zur Folge. Auch wenn die Eisenindustrie sehr stark herausgestellt wird und allgemein bekannt ist, ist es wichtig aufzuzeigen, dass andere Branchen auch von diesem Aufschwung profitierten.
Vor diesem Hintergrund gilt die Manufaktur von Saargemünd als typisches Beispiel, da sie Ende des 19. Jahrhunderts mit 3300 Arbeitern eine große, wenn nicht die größte, Keramikmanufaktur Europas war.
Zu diesem Projekt, das auf die gesamte „Agglomeration" dimensioniert ist, würden folgende Museumsstandorte gehören: Völklinger Hütte, das Bergbaumuseum Carreau Wendel sowie das Steingutmuseum in Saargemünd, welches mit dem weiter östlich gelegenen im Aufbau befindlichen Netzwerk der sehenswerten Orte rund um Glas und Kristall verknüpft werden könnte: Saint Louis und Meisenthal. Dieses Netzwerk könnte eine richtige „Route des Feuers" darstellen, außerdem könnte die Auszeichnung der Völklinger Hütte als UNESCO Weltkulturerbe auf dieses Ensemble ausgedehnt werden.




